Ausgewählter Beitrag

Prinz Harry und seine Selbstwahrnehmung


Nein, eigentlich interessiere ich mich nicht für die Royals. Die Queen war für mich eher eine Kultfigur, ihr Familienleben ging so ziemlich an mir vorbei.
Ok, ich befand mich in dem Jahr, in dem Prinz Di ums Leben kam, in England und die Atmosphäre dort war etwas seltsam, aber alles in allem hab ich wenig mitbekommen von der königlichen Familie.

Warum ich dieses Buch dennoch gekauft und gelesen habe? Weil in meinem Freundes- und Bekanntenkreis lebhaft darüber diskutiert wurde oder - genauer gesagt - über irgendwelche Zitate aus dubiosen Internetquellen. Gelesen hatte es von diesen Menschen um mich herum niemand, aber alle hatten eine Meinung. 

Ich wollte wissen, was wirklich dran ist an all den Stories, denn ich bin der Presse gegenüber in den letzten Jahren immer skeptischer geworden, selbst gegenüber sog. "seriösen" Quellen. 

Ok, nun zum Buch:
Seit dem Tod seiner Mutter, die von penetranten Journalisten verfolgt wurde, hasst der Prinz Reporter und Co. Immer wieder hat er mit Lügen über seine Person zu kämpfen und niemand aus seiner Familie greift ein. Es spitzt sich zu, als man auch seiner Frau zusetzt und sie verlassen England.
Dieses Werk ist nun der Versuch, seine eigene Geschichte selbst zu erzählen, statt es anderen zu überlassen. Problem: Er ist gut behütet aufgewachsen, kennt in seinem doch noch recht kurzem Leben außer Trauer, Schule, Partys, Drogen, seiner Militärausbildung und den Einsätzen (mit Bodyguards), Frauen, Partys, Trauer,... nicht viel. So wirkt es ein wenig seltsam, wenn er seitenweise über seine Zeit bei der Armee erzählt oder seine Ausflüge in die Arktis/Antarktis. Dazwischen wird lediglich sein Hass auf die Presse zu einem interessanten Intermezzo.

Alles in allem ist es eine recht harmlose Darstellung eines privilegiert weißen Mannes, der - wie so viele andere auch - Probleme mit der Familie hat und sein Kindheitstraume noch verarbeiten muss. Stellenweise hat der Ghostwriter auch ziemlich dick aufgetragen.

Achso, die zitierten Onlineartikel - ich hab sie nicht alle gelesen, aber wie erwartet werden oft Sätze aus dem Zusammenhang genommen, um die Schreiberei dramatischer wirken zu lassen und Klicks zu ergattern. Wer hätte es gedacht...

Ich finde, die Welt braucht diese Memoiren nicht wirklich. Wenn überhaupt, dann werfen sie ein noch komischeres Bild auf Harry, seine Familie und die Einrichtung des englischen Königshauses allgemein. 

Muss man nicht lesen. Was meint ihr?

Sonja 17.01.2023, 08.07

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Kommentare zu diesem Beitrag

1. von Susi

Ich weiß nicht. Ich schleiche um das Buch herum und auch die Doku bei netflix ist auf meiner Wishlist. Aber von was soll er eigentlich berichten? Er hat ja nix außer die Family (Firma genannt) erlebt. Und ja für das "Kind" Harry muss der Verlust der geliebten Mutter furchtbar gewesen sein.
Und ich kann verstehen dass er da Parallelen zu Meghan sieht.

Vielleicht sollten wir uns vorstellen wie grausam es als Kind ist in einem goldenen Käfige aufzuwachsen. Es empfiehlt sich mal einen Blick in "The Crown" reinzuwerfen. Ich möchte nicht so leben auch wenn es finanzielle Freiheit bedeutet...

vom 19.01.2023, 16.45
Antwort von Sonja:

Ich möchte so auch nicht leben und ich denke, da ist auch ganz viel im Argen. Eigentlich wäre es wirklich an der Zeit, das abzuschaffen, aber eher treten die Engländer der EU wieder bei als das...
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